Die chinesische Pharmakologin Youyou Tu erhält den Medizin-Nobelpreis 2015

“Die chinesische Pharmakologin Youyou Tu bekommt den Medizinnobelpreis für ihre Entdeckung, dass ein Extrakt aus dem Einjährigen Beifuß, das sogenannte Artemisinin, das Wachstum von Plasmodien hemmt, die Malaria auslösen.

Zu viel Hitze für die Wirkstoffe?

Tu, mittlerweile 84 Jahre alt, wurde im Jahr 1967 buchstäblich in die Felder geschickt, um nach wirksamen Kräutern gegen die Malaria auslösenden Parasiten zu suchen. Die Infektionskrankheit kehrte damals mit voller Wucht zurück, nachdem sich immer mehr Parasitenstämme entwickelt hatten, die gegen die damals eingesetzten Medikamente wie etwa Chloroquin resistent waren. Als Leiterin einer staatlich beauftragten Forschungsgruppe stand ihr damit eine heikle Aufgabe bevor.

“Wir sammelten zunächst mehr als 2000 chinesische Kräuter”, beschreibt Tu 2011 im Fachmagazin “Nature” ihre Suche. Der Erfolg blieb aus, bis die Gruppe den Einjährigen Beifuß untersuchte. Der daraus extrahierte Wirkstoff Artemisinin hemmte tatsächlich das Wachstum der Malaria-Erreger – allerdings unzuverlässig.

Tu ließ sich davon nicht beirren, sondern suchte beharrlich nach Erklärungen. In einem Handbuch las die Pharmakologin den Satz, der sie auf die entscheidende Idee brachte: “Eine Handvoll qinghao (der chinesische Name für den Einjährigen Beifuß) in zwei Litern Wasser tränken, den Saft auswringen und alles austrinken”, stand da.

Hatten die Forscher die Pflanzenextrakte möglicherweise zu stark erhitzt? Und die Wirkstoffe dabei zerstört? Bei weiteren Versuchen mit geringeren Temperaturen waren sie alsbald erfolgreich: Die Pflanzenauszüge wirkten nun wesentlich besser gegen die Parasiten.

Vor 44 Jahren war es dann so weit: “Am 4. Oktober 1971 hielten wir ein ungiftiges Extrakt in den Händen”, schreibt Tu in “Nature”. Dieses wirkte gegen verschiedene Plasmodien, mit denen die Forscher Mäuse und Affen infiziert hatten. “Dieser Fund markierte den Durchbruch in der Entdeckung von Artemisinin”, so Tu.

Trotzdem keine heile Welt

Nach einem langen Weg hin zu einem ungefährlichen, aber wirksamen Medikament für den Menschen wird Artemisinin heute von Pharmakonzernen hergestellt und als Kombinationspräparat eingesetzt. Schätzungen zufolge rettet es jährlich rund 100.000 Menschen das Leben.

Beendet ist der Kampf gegen Malaria damit nicht: Seit einigen Jahren gibt es zunehmend Plasmodien-Stämme, die derWeltgesundheitsorganisation WHO zufolge resistent sind, beziehungsweise auf eine Behandlung mit Artemisinin nicht mehr richtig ansprechen und es gehäuft zu Rückfällen kommt. Laut (WHO) sterben jedes Jahr vermutlich mehr als 500.000 Menschen an Malaria – darunter zahlreiche Kinder in Afrika.”

Quelle: zitiert aus Spiegel  Online

Kommentar verfassen